Dienstag, 10. Juli 2018

Mein Meer. Sehnsuchtsort und mehr

Mein Meer: Sehnsuchtsort und mehr

„Bello … coco … coco … bello“, klingt eine Stimme über den Strand. „Bello … coco 
coco … bello“. Die Rufe kommen näher. Ein in Tücher gehüllter alter Mann stapft  mit seinem Esel, einen Kübel in der Hand am Meer entlang. Gleißendes Licht, die Luft vibriert. Im Schatten der Sonnenschirme spielen weiter oben ruhig wir Kinder. Ich springe auf und in kleinen Schritten über den heißen Sand. Wir scharen uns um den Esel, an dem ein Korb mit Kokosnuss-Spalten hängt, und den Mann. Für 500 Lire nimmt er ein Stück aus dem Korb, taucht es in den Kübel gekühlten Wassers, und wir rennen schnell zurück nach oben.

Mein Meer ist die Adria und das Italien meiner Kindheit, Meer und Europa sind für mich: eine Idylle aus Siebziger-Jahre Bildern und nie endenden Sommern. Hinter der Kindheits-Erinnerung liegen bereits viele Themen, für die Meer und Europa stehen, und die mir die Ausstellung "Europa und das Meer“ im DHM vor Augen führte. Europa und das Meer bedeuten Gefahr und Armut, Ausbeutung und Ausgeschlossen-Sein.

Ein beeindruckendes Plakat wirbt seit einigen Wochen an den Berliner Straßen für die Ausstellung. Immer wieder kommt mir das Motiv in den Sinn: Gustave Corot zeigt auf seinem Gemälde die Kraft und Gewalt des Meeres. Mit dem Wogen und Rauschen im Hinterkopf reise ich von der Antike bis in die Gegenwart durch die verschiedenen Themen der Ausstellung, sehe die Gefahren und Mythen der Seefahrt. Neben dem Eroberungsdrang der Europäer stehen die Kehrseiten Tod, Sklaverei und Ausbeutung. Heute heißen sie: das Ersticken der Meere im Plastikmüll und die Gefahren, denen sich Menschen bei der Flucht über das Meer nach Europa aussetzen.

Für uns Europäer bildet das Meer seit dem beginnenden Tourismus Anfang des 20. Jahrhunderts den Sehnsuchtsort von Urlaubern. Ein Sehnsuchtsort, der auch mein Leben begleitet. Als Rollstuhlfahrerin ist mir allerdings der Zugang zum Meer selten möglich. Im Meer sein und schwimmen kann ich meist nicht, da strukturelle Voraussetzungen wie barrierefreie Strände kaum vorhanden sind. Angesichts der momentanen Katastrophen, angesichts von Menschen, die zu Tausenden auf der Flucht nach Europa ertrinken, und der Diskussion um „Ausschiffungsplattformen“ wirkt mein Wunsch nach mehr Partizipation am Meer unangemessen.

Blog zu "Europa und das Meer“, eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin (DHM)

2 Kommentare:

Am/um 13. August 2018 um 01:03 , Anonymous Tanja Praske meinte...

Liebe Bettina,

so schön und berührend. Ich schreibe gerade das Fazit der Blogparade #DHMMeer und es werden mehrere Teile geben. 112 Beiträge gingen ein und jetzt beim erneuten Lesen entdecke ich wunderbare Perlen erneut, so wie dein #DHMMeer.

Vielen herzlichen Dank!
Tanja von KULTUR - MUSEUM - TALK

 
Am/um 21. August 2018 um 08:03 , Blogger Bettina Unger meinte...

Liebe Tanja,

vielen Dank für das feedback.
Ich freue mmich auf das Fazit der Blogparade #DHMMeer.

Herzlich
Bettina

 

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